Ziele

Medienpädagogische Projekte so umzusetzen, dass sie parallel in der wissenschaftlichen Theorie und gleichzeitig praktisch und aktiv in der Lebenswelt der jeweiligen Adressaten verankert sind. Inwieweit das immer funktioniert, muss aufs Neue hinterfragt und betrachtet werden. Das Idealziel Medienkompetenz kann aber nur so erreicht werden. Das Bewusstsein der pädagogisch Handelnden muss sich an wissenschaftlichem Hintergrundwissen orientieren und Settings schaffen, die praktisches Arbeiten fördern. Eine kritische Haltung zu eigenem Handeln ist dafür Voraussetzung. Damit ein wenig Grundlagenwissen für ein wissenschaftlich orientiertes Handeln (medienpädagogische Kompetenz) allen übersichtlich zugänglich gemacht wird, führe ich auf dieser Seite die wichtigsten Punkte dafür auf.

Ein gutes Projekt braucht zielorientiertes Handeln und die Verankerung in der beheimateten Wissenschaft. Medienpädagogik ist ein Teil der Pädagogik, aber nicht identisch mit der Pädagogik. Folgende Ausführungen für die Zieldefinitionen verdeutlichen dies:

Hauptziele allen pädagogischen Handelns:

1) Handlungsziele: Lernen ermöglichen
2) Ergebnisziele: Kompetenz und Autonomie

KOMPETENZ (Fähigkeiten/Wissen, Fertigkeiten) AUTONOMIE (Selbstbestimmung, Unabhängigkeit)
-> Handlungskompetenz

- aus Sozialisation, transitive Bildung
- formeller und nicht-formeller Bildungsbereich
- Erziehung/Lehren, direktes Lernen


-> Urteils- und Entscheidungskompetenz

- aus Selbstsozialisation, reflexive Bildung
- mehr informeller und inzidentieller Bildungsbereich
- NICHT steuerbares, indirektes Lernen

 

Ziel speziell von medienpädaqogischem Handeln:
...ist das Ergebnisziel Medienkompetenz

Was ist Medienkompetenz im Bezug auf Praxis-Projekte?

Dimensionen der Medienkompetenz (frei nach Baacke. Moser et al.):
- technische, rezeptive, anwendende Dimensionen -> Bereiche der Kompetenz
- kulturelle, analytische, interaktive Dimensionen -> Bereiche der Kompetenz
- kritische, reflexive, soziale Dimensionen -> Bereiche der Autonomie (Urteils und Entscheidungskompetenzen)

Medienpädagogische Seminare liegen verortet im Bereich der Nicht-Formellen Bildung, d.h.:
- Angebotscharakter, Freiwilligkeit, Motivationsabhängigkeit
- Intentionale Vermittlung von Wissen/Können
--> Die Dimensionen Kompetenz betreffend können so abgedeckt werden

ABER: es braucht „geheimen Lehrplan" für die Abdeckung folgender Dimensionen:
- Soziale Dimension    (Verhalten/Orientierung in medialen Beziehungsformen, Einbindung in
                                   Lebenswelt/Kommunikation, Verantwortung)
- Reflexive Dimension (Selbstbezug zur eigenen Mediennutzung, eigener Umgang mit von Medien vermittelten     
                                   Informationen)
- Kritische Dimension  (Beurteilungen von Informationsinhalten, Entwicklungen im Medienbereich)

-> Das hierfür erforderliche (indirekte) Lernen ist nur zu ermöglichen, nicht konkret steuerbar!

 

Eine Steuerbarkeit ist in folgenden Richtungen dennoch möglich:
• gestalten von anregenden Lernumgebungen
• geeignete Lernmaterialien zur Verfügung stellen (Medien)
• Wechsel von Beobachterperspektiven ermöglichen
• soziale Situationen des Lernens schaffen (Gruppenlernen)
• zur Reflexion von Wirklichkeitskonstruktionen animieren/auffordern
• Aufmerksamkeiten auf Vergessenes oder Vernachlässigtes lenken
• motivieren und begeistern durch die Art und Weise der Themendarstellung
(vgl. Siebert (1999): Pädagogischer Konstruktivismus. Neuwied, S. 41f)

--> Lernen benötigt demnach einen bedarfsgerechten Angebotscharakter
--> Nicht-Formelle Lernkontexte liefern die Freiräume, die für diese „ermöglichende Didaktik" zur Verfügung
      stehen müssen
--> Medienkompetenz kann durch geeignete Settings vor allem außerschulisch sehr wohl durch gezieltes
      medienpädagogisches Handeln erreicht werden.

Anmerkungen:

Nicht immer werden alle Dimensionen gleichermaßen erfüllt und selten auch gleichstark gewichtet. Dennoch sollten bei der Zielsetzung möglichst viele Dimensionen berücksichtigt werden.

Evaluation ist hierbei ein wichtiges Thema. Kompetenzen zeigen sich auf der Performanzebene im Handeln und sind zum einen beobachtbar und zum anderen durch Befragung und Selbsteinschätzung der Teilnehmer messbar!